Die Anfänge der Schmalspurbahn
Die Geschichte der Stargarder Schmalspurbahn begann Ende des 19. Jahrhunderts. 1895 wurden die ersten Abschnitte eines Schmalspurnetzes eröffnet, das Stargard (damals Stargard in Pommern) mit den umliegenden Orten verband.
Die Bahn war für die wirtschaftliche Entwicklung der Region von großer Bedeutung: Sie beförderte landwirtschaftliche Erzeugnisse, Holz und Baumaterialien – und natürlich die Menschen der Region.
In den folgenden Jahren wurde das Netz auf Dutzende Kilometer Gleise ausgebaut, mit zahlreichen Bahnhöfen, Haltepunkten und technischen Anlagen.
Eine Bahn, die Menschen verband
Über viele Jahrzehnte war die Stargarder Schmalspurbahn das wichtigste Verkehrsmittel für die Menschen der Region.
Auf ihren Strecken verkehrten Personen- und Güterzüge, die Fahrgäste, landwirtschaftliche Erzeugnisse, Vieh und Waren für örtliche Betriebe beförderten.
In ihrer Blütezeit war die Bahn ein fester Bestandteil des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens in Westpommern.
Die letzten Betriebsjahre
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Bahn von den Polnischen Staatsbahnen (PKP) weiterbetrieben, doch der wachsende Straßenverkehr verringerte nach und nach ihre Bedeutung.
In den 1980er- und 1990er-Jahren sanken die Fahrgastzahlen stetig, während die Infrastruktur immer höhere Investitionen erforderte.
Foto: Witold Niedzielski
Foto: Michał Gliniecki
Langsamer Niedergang und Stilllegung
Zu Beginn des 21. Jahrhunderts fiel die Entscheidung, den Verkehr einzustellen. Der letzte Zug auf der Strecke Stargard – Dobra Nowogardzka fuhr im Oktober 2001; danach wurde die Strecke endgültig stillgelegt.
Die verbliebenen Fahrzeuge wurden abgestellt und anschließend verkauft, an andere Betreiber abgegeben oder verschrottet.
Nach der Stilllegung wurden die Gleise in großem Umfang gestohlen und das Bahngelände verwüstet. Die verlassene Infrastruktur blieb viele Jahre völlig sich selbst überlassen, und viele Bauwerke verfielen immer weiter.
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Eintragung in das Denkmalregister
Trotz Verwüstung und Diebstahl gab es Menschen, denen das Schicksal der Bahn nicht gleichgültig war. Auf Initiative der Gesellschaft der Freunde Stargards trug der Woiwodschaftsdenkmalpfleger in Szczecin (Stettin) die Stargarder Schmalspurbahn (Stargardzka Kolej Dojazdowa) 2003 in das Denkmalregister ein.
Die Eintragung umfasste die erhaltenen Teile der Bahninfrastruktur und stellte die Reste der ehemaligen Strecke offiziell unter Denkmalschutz.
Die Gründung des Stargarder Schmalspurbahnvereins
Trotz jahrelanger Vernachlässigung geriet die Stargarder Schmalspurbahn nie in Vergessenheit.
2017 gründete eine Gruppe von Eisenbahn- und Heimatgeschichtsfreunden den Verein Towarzystwo Stargardzka Kolej Dojazdowa (TSKD), den Stargarder Schmalspurbahnverein.
Ziel des Vereins ist es, die Reste der alten Bahn zu retten, ihre Geschichte bekannt zu machen und die Infrastruktur Schritt für Schritt wieder zum Leben zu erwecken.
Wiederaufbau der Infrastruktur
Seit Gründung des Vereins arbeiten die Mitglieder der TSKD systematisch daran, den ehemaligen Bahnhof Stargard Wąskotorowy wiederherzustellen.
In den letzten Jahren wurden zahlreiche Gleisarbeiten durchgeführt, das Bahnhofsgelände aufgeräumt und der Wiederaufbau der Bahnsteige begonnen.
Draisinen aus eigener Werkstatt
Nachdem die historischen Fahrzeuge verloren gegangen waren, beschloss der Verein, eine eigene Flotte von Fahrraddraisinen für touristische Fahrten zu bauen.
Alle derzeit eingesetzten Draisinen wurden von Mitgliedern der TSKD selbst entworfen und gebaut.
So konnte auf den erhaltenen Abschnitten der ehemaligen Bahnstrecke wieder touristischer Verkehr stattfinden.
Die größten Herausforderungen
Die größte Herausforderung für die TSKD ist derzeit die Finanzierung der Sanierung der historischen Eisenbahnbrücke in Żarowo.
Ebenso wichtig ist der Wiederaufbau von rund 2,5 Kilometern Strecke zwischen Lubowo und Małkocin, die nach der Einstellung des Verkehrs abgebaut wurde.
Mit diesen Vorhaben ließe sich die Fahrstrecke deutlich verlängern und der Eisenbahntourismus in der Region weiter ausbauen.
Die Bahn lebt weiter
Die Arbeit der TSKD beschränkt sich nicht auf Technik. Der Verein ist fest im örtlichen Gemeinschaftsleben verankert und organisiert Familienfeste, Bildungsveranstaltungen, Benefizaktionen, Sonderfahrten sowie Aktionen, die die Geschichte der Region bekannt machen.
An unseren Veranstaltungen nehmen Einwohner, Pfadfinder, Polizei und Feuerwehr, Rettungskräfte sowie zahlreiche Partner teil, die die Entwicklung der Bahn unterstützen.